Direkt zum Inhalt
Rückkehr nach England

Rückkehr nach England Manuel Guerrero Aviña ist nach dem Scheinprozess in Katar wieder in seiner Heimat

ms - 13.08.2024 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

Die Farce um Manuel Guerrero Aviña findet ein Ende – der 44-jährige britisch-mexikanische Ex-Mitarbeiter einer Airline durfte jetzt nach seiner Verurteilung aus Katar ausreisen und zurück nach Großbritannien fliegen. Der Mann war aufgrund der Nutzung der schwulen Dating-App Grindr im Netz der katarischen Polizei gelandet. In einem Scheinprozess war er anschließend zu sechs Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von umgerechnet rund 2.500 Euro verurteilt worden.

„Honigfallen“ für Homosexuelle

Die Befürchtung, dass Aviña die gesamte Bewährungszeit in Katar verbringen muss, bestätigte sich jetzt dank dem Einsatz mehrerer Menschenrechtsorganisationen glücklicherweise nicht. Der ehemalige Mitarbeiter von Qatar Airways tappte im Februar dieses Jahres in Doha in eine sogenannte „Honigfalle“, wie die katarischen Behörden ihr Vorgehen selbst bezeichnen. Sie schrieben Aviña über die schwule Dating-App an – als dieser sich mit seinem vermeintlichen Sex-Date treffen wollte, verhaftete ihn die Polizei.

Haft und Folter 

Nach großer internationaler Empörung erklärte Katar, der 44-Jährige sei festgesetzt worden, weil man bei ihm Drogen gefunden hätte. Aviña selbst bekräftigte indes mehrfach, man habe ihm Methamphetamin untergeschoben, um ihn unter Druck zu setzen. Warum die Polizisten überhaupt gerade über die schwule Plattform Grindr nach vermeintlichen Drogenbesitzern gesucht haben sollen, konnte das Emirat auch auf Rückfrage nicht beantworten. 

Während seiner Haftzeit soll dem 44-jährigen HIV-positiven Mann daraufhin auch die medizinische Versorgung mit HIV-Medikamenten verweigert worden sein. Außerdem soll Aviña auch gefoltert worden sein. 

Scheinprozess gegen schwulen Mann

Nebst mehreren Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International setzte sich auch das eigens dafür gegründete Manuel-Guerrero-Komitee für seine Freilassung ein. Im Scheinprozess im Juni dieses Jahres wurde Aviña schlussendlich trotzdem zu einer Haftstrafe auf Bewährung von sechs Monaten sowie zu einer Geldstrafe von umgerechnet rund 2.500 Euro verurteilt. LGBTI*-Verbände sowie auch seine Familie stellten klar, man habe an Aviña offensichtlich ein Exempel statuieren wollen. In Katar sind homosexuelle Handlungen nach wie vor illegal und können mit bis zu sieben Jahr Haft bestraft werden. 

Flucht aus dem homophoben Staat

Nachdem Aviña jetzt überraschend ausreisen durfte, erklärte ein Sprecher des Manuel-Guerrero-Komitees, man sei sehr froh darüber, dass der 44-Jährige nun aus den „Klauen des homophoben Staates Katar“ befreit worden sei: „Manuel und seine Familie danken Ihnen allen für Ihre unermüdliche Unterstützung in diesem symbolischen Kampf gegen Ungerechtigkeit, gegen Homophobie und für die Menschenrechte aller Menschen.“ 

James Lynch, Co-Direktor der Menschenrechtsorganisation FairSquare und ehemaliger britischer Diplomat in Katar, betonte überdies, der Vorfall sei für Aviña eine „schreckliche Tortur“ gewesen. „Ich unterschätze nicht, welchen Tribut diese Erfahrung für ihn gefordert hat. Ich hoffe, dass er in den kommenden Wochen und Monaten Zeit und Raum für Ruhe und Erholung finden wird.“ Aviña ist jetzt wieder in Großbritannien angekommen – während seiner Ausreise war er aus Sicherheitsgründen von mehreren Diplomaten sowohl vom mexikanischen wie auch vom britischen Außenministerium begleitet worden. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Der "Kannibale von Rotenburg"

Bundesweit diskutierter Justizfall

Der als „Kannibale von Rotenburg“ bekannt gewordene Armin Meiwes strebt weiter eine vorzeitige Entlassung aus der Haft an.
Risikolage für queere Menschen

LGBTIQ+-Personen spüren Folgen

Der erste Angeklagte nach dem neuen Anti-Homosexualitätsgesetz von 2023 in Uganda wurde von einem Gericht freigesprochen.
Homophobie an Italiens Schulen

Lehrer zeigt 12-jährigen Schüler an

Homophobie an italienischen Schulen nimmt laut der Polizei immer weiter zu, in Padua hat ein Lehrer jetzt Anzeige gegen einen 12-Jährigen erstattet.
Urteil gegen Maja T.

Acht Jahre Haftstrafe

Die nicht-binäre Person Maja T. wurde heute in Ungarn wegen linksextremistischen Angriffen zu einer Haftstrafe von 8 Jahren verurteilt.
Neuer Angriff auf Homo-Ehe

US-Verbände formieren sich neu

2025 bekräftigte der US-Supreme Court das Recht auf Ehe für Schwule und Lesben. Nun formiert sich neuer Widerstand von 47 Anti-Homosexuellen-Verbänden
Neue Kritik an Bobbys

Suizid nach Grindr-Erpressung

Ein 56-Jähriger wurde in England nach einer Erpressung mittels Grindr in den Suizid getrieben. Die britische Polizei ermittelte erneut nur schlampig.
Lebenserwartung von Schwulen

1,2 Jahre Unterschied zu Heteros

Schwule und bisexuelle Männer haben in England eine geringere Lebenserwartung von 1,2 Jahren im Vergleich zu Heterosexuellen, belegt eine neue Studie.
Vergewaltigung bei Chemsex

Zehn Männer in Frankreich angeklagt

In Frankreich stehen zehn Männer vor Gericht, die bei Chemsex-Partys einen Fünfjährigen vergewaltigt haben sollen, darunter auch der eigene Vater.
Gianni Infantino hofiert Putin

Eine neue Achse des Bösen?

Menschenrechte sind FIFA-Chef Gianni Infantino einmal mehr völlig egal, jetzt setzt er sich für Russland im Weltfußball ein.