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Streit um Sexarbeit

Streit um Sexarbeit LGBTI*-Verbände sprechen sich klar gegen Verbote aus!

ms - 12.09.2023 - 13:00 Uhr
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Die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Dorothee Bär, hat sich jetzt im Interview mit der BILD-Zeitung für ein Sexkaufverbot ausgesprochen und fordert die Einführung des sogenannten Nordischen / Schwedischen Modells – dieses sieht vor, dass künftig Käufer von Sex-Dienstleistungen bestraft werden, nicht mehr Anbieter von käuflichem Sex. Bär betont, die Situation in der Bundesrepublik sei inzwischen dramatisch, Deutschland habe sich zum „Bordell Europas“ entwickelt.

Breites Bündnis gegen Sexkaufverbot

Die meisten LGBTI*-Verbände wie beispielsweise der Lesben- und Schwulenverband sprechen sich klar gegen das Nordische Modell oder ein Sexkaufverbot aus, da dies die Lage von Sexarbeitern deutlich verschlechtern würde, gerade auch von LGBTI*-Menschen, die in der Branche tätig sind.

Erst vor wenigen Tagen konnten rund 260 Sexarbeiter auch einen ersten Erfolg beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte erzielen, der eine Klage gegen das Sexkaufverbot in Frankreich zuließ. Unter den Klagestellern sind auch homosexuelle und queere Sexarbeiter, unterstützt wird die Klage zudem von zwei LGBTI*-Organisationen aus Paris und Marseille.

Auch die Linke.queer in Deutschland sprach sich für die internationale Klage aus, die beiden Bundessprecher Luca Renner und Frank Laubenburg erklärten: „Aus allen Staaten, in denen es ein Sexkaufverbot gibt, berichten Sexarbeitende über eine massive Verschlechterung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen, zum Teil droht ihnen, wie in Schweden, sogar die Abschiebung.“ Dies bestätigt auch die UN-Sonderberichterstatterin für Gesundheit, Tlaleng Mofokeng. Auch mehrere internationale Verbände wie Human Right Watch oder Amnesty International warnen vor Verbotsgesetzen und dem Nordischen Modell.

Mehr Missstände durch Sexkaufverbot

Gegenüber SCHWULISSIMO erklärte Sexarbeiter André Nolte, Pressesprecher des Bundesverbandes Sexarbeit in Deutschland: „Sexkaufverbote sind kontraproduktiv, in dem Sinne, dass sie einerseits keine Veränderung an Missständen in der Sexarbeit bewirken und andererseits für mehr Missstände sorgen. Das ist keine persönliche Meinung, sondern verifizierbarer Fakt. In Ländern, die den Kauf von sexuellen Dienstleistungen kriminalisieren, findet weder weniger Sexarbeit statt noch werden Menschenhandel oder sexuelle Ausbeutung reduziert. Für Sexarbeitende hat ein solches Verbot im Gegensatz einschneidende und dramatische Auswirkungen. Unsere Arbeit wird gefährlicher, das Risiko, sexueller Ausbeutung oder Menschenhandel zum Opfer zu fallen, steigt, und die Menschen sind für Hilfsangebote weniger gut zu erreichen. Und die Betroffenen leiden unter massiver gesellschaftlicher Stigmatisierung, die echte Auswirkungen hat – nicht nur auf unseren Geldbeutel, sondern auch auf unsere Rechte als Bürger.“ Online sind aktuell rund 20.000 schwule Sexworker in Deutschland verzeichnet, nur 10 Prozent von ihnen arbeiten Vollzeit im Gewerbe.

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