Direkt zum Inhalt
Todesstrafe Homosexualität

Todesstrafe Homosexualität Internationales Entsetzen über neues Hass-Gesetz!

ms - 30.05.2023 - 08:32 Uhr
Loading audio player...

Trotz massiven, internationalen Drucks hat Ugandas Präsident Yoweri Museveni jetzt doch ein neues Gesetz final unterschrieben und damit in Kraft treten lassen, das für Homosexualität hohe Haftstrafen bis hin zur Todesstrafe vorsieht. Regierungen verschiedener Länder zeigten sich entsetzt, darunter auch Vertreter der deutschen Ampel-Koalition.

Rechtssicherheit für Hass-Gesetz

Die erste Version des Gesetzes im März dieses Jahres hatte Museveni zuvor noch einmal überarbeiten lassen, um es rechtssicher gegenüber Klagen zu machen – im Jahr 2014 war ein erster Anlauf zur Verschärfung der Rechtssprechung gegen Homosexuelle am Obersten Gerichtshof des Landes gescheitert. Dieses Mal soll das nicht wieder passieren. Geändert wurde im Gesetzesvorhaben so unter anderem der Passus, dass Homosexuelle, die sich „freiwillig“ in ärztliche Behandlung begeben, straffrei bleiben.

Eines der schärfsten Hass-Gesetz weltweit

Trotzdem hat Uganda damit jetzt eines der schärfsten Hass-Gesetze weltweit gegen Schwule und Lesben. Homosexuelle erwartet bis zu 20 Jahre Haft, bei „schwerer Homosexualität“, die mehrfach dokumentierte, homosexuelle Handlungen beinhaltet, auch die Todesstrafe. Ebenso unter Strafe steht damit nun die „Förderung der Homosexualität“, was jedwede Informations- oder Rechtsberatung seitens von LGBTI*-Organisationen miteinschließt. Aktivisten, die sich für die Rechte von Schwulen und Lesben einsetzen oder ihnen helfen, erwartet künftig ebenso Haftstrafen von bis zu 20 Jahren. Ebenso ergeht es Menschen, die Schwulen und Lesben im Alltag helfen oder ihnen beispielsweise eine Wohnung zur Verfügung stellen (sieben Jahre Haft). Wer es versäumt, homosexuelle Handlungen zu melden, muss mit fünf Jahren Haft rechnen. 

Eklatante Verletzung der Menschenrechte

Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze erklärte, dass das Gesetz die „grundlegenden Menschenrechte, zu denen sich Uganda verpflichtet hat“ verletzt. Ebenso verurteilte das Außenministerium die Unterzeichnung des Gesetzes als „eklatante Verletzung“ der allgemeinen Menschenrechte. Der Queer-Beauftragte der Bundesregierung Sven Lehmann sagte, Uganda wolle Homosexuelle mit dem neuen Gesetz „auslöschen“, es sei ein bitterer Tag für die Menschenrechte und bedürfe jetzt einer klaren Antwort.  

US-Präsident fordert Aufhebung des Gesetzes

Die Europäische Union drückte ihr Bedauern aus und bekräftigte, Uganda habe die Pflicht, die Grundrechte aller Bürger zu wahren. Die Niederlande froren daraufhin finanzielle Fördermittel von rund 25 Millionen Euro ein. US-Präsident Joe Biden forderte indes eine „sofortige Aufhebung des Gesetzes“, es sei nicht rechtens, dass Homosexuelle in Ugandas in ständiger Angst um ihr Leben sowie vor Gewalt und Diskriminierung leben müssten.

Homosexuelle flüchten, Aktivisten wollen klagen

Immer mehr Schwule und Lesben aus Uganda flohen deswegen bereits in den vergangenen Monaten nach Kenia, doch auch hier gibt es inzwischen Bestrebungen, die Gesetzgebung gegenüber Homosexuellen zu radikalisieren. In Uganda selbst gibt es indes eine breite öffentliche Unterstützung für das Gesetz – zudem ist das Land seit dem Auffinden eines der größten Goldvorkommen weltweit auch finanziell deutlich unabhängiger von internationalen Fördermitteln. Trotzdem haben bereits mehrere LGBTI*-Aktivisten gegenüber der epd erklärt, sie wollen gegen das Gesetz klagen.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Schule zahlt nach Coming-Out

Streit um Abschluss in Tennessee

Eine christliche Schule in Tennessee hat nach dem Ausschluss einer Schülerin wegen ihres Coming-Outs eine Entschädigung von 10.000 Dollar gezahlt.
Amoklauf in Montreal

Schießerei nahe Pornhub-Hauptsitz

Drei Menschen starben bei einem Amoklauf in Montreal nahe der Pornhub-Zentrale. Der Täter hatte es unter anderem auf Pornodarsteller abgesehen.
Prides in Europa unter Druck

Mehr Hass und weniger Geld

Prides in Europa erleben zunehmend mehr Hass bei zeitgleicher Reduzierung der Finanzen, so der neue EPOA-Bericht.
Trans Pride Istanbul

Polizei löst Demo brutal auf

Beim Istanbul Trans Pride March sind mindestens zehn Menschen festgenommen worden, darunter auch zwei Journalisten.
Angriffe in Äthiopien

Schwuler Journalist attackiert

Selbstjustiz und Hetzjagden auf Schwule nehmen in Äthiopien deutlich zu, zuletzt wurde ein bekannter schwuler Journalist zum Opfer eines brutalen Mobs
Wahlverhalten in Amerika

Gespaltene Einstellungen in den USA

Jeder dritte US-Wähler wünscht sich Politiker, die sich gegen LGBTIQ+ aussprechen. Dabei ist LGBTIQ+ allerdings so gut wie nie wahlentscheidend.
Angriff nach WM-Partie

Deutscher Fan in Toronto verletzt

Ein deutscher Fußballfan berichtet von einem mutmaßlich homophoben Übergriff nach dem Besuch eines WM-Spiels in Kanada.
Festnahme in Thailand

Adult-Creator inhaftiert

Ein südkoreanischer Content-Creator von Erwachsenen-Inhalten ist in Thailand wegen expliziter Online-Inhalte und Drogenbesitzes festgenommen worden.
Italienische Pride-Kampagne

Video-Clip berührt hoch emotional

Ein Pride-Video eines italienischen Immobilienportals sorgt mit einer sehr emotionalen Geschichte über Akzeptanz für große Resonanz im Netz.