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Rubrik

Entdeckerziele Chancen für Chemnitz

rb - 27.03.2020 - 07:00 Uhr

Sachsens Wirtschaftsmetropole liegt etwa achtzig Kilometer von Dresden entfernt. Doch wer dabei nur an rauchende Schornsteine denkt, hat weit gefehlt. Denn Kultur spielt hier ein wesentliche Rolle. Sogar europäische Weihen in dieser Hinsicht sind angestrebt. Eine Erkundung.

Wirtschaft & Kultur

Sicherlich, es mag ungewöhnlich sein, in diesen Tagen ausgerechnet nach Chemnitz zu fahren. Manche Medien berichten zurzeit nicht gerade vorteilhaft über diese Stadt. Denn es gab Vorfälle, die dem Image wirklich nicht zuträglich waren. Jedoch heißt diese Rubrik nicht umsonst „Entdeckerziele“. Ich bin einfach gespannt darauf, will mir selbst ein Bild machen. In Zeiten der DDR trug die Stadt den Namen von Karl Marx. Mein erster Eindruck, als ich vom Bahnhof zum Hotel an der Oper spaziere: breite Alleen, Shopping-Center – und strahlender Sonnenschein. In der Lobby holt mich Veronika zu einem Rundgang ab. Wir besichtigen zunächst den Platz gegenüber: Hier befinden sich die Oper und die umfangreichen Kunstsammlungen der Stadt. Weiter geht es zum Stadtbad. Dieses architektonische Unikum hat Generationen von Chemnitzern Badefreuden beschert. In der Ferne raucht ein bunt bemalter Schornstein, der eine Art Wahrzeichen geworden ist. Denn ziemlich einzigartig ist die Verbindung von Industrie-Erbe und traditioneller Kultur. Chemnitz ist Geburtsort bekannter Persönlichkeiten: der Maler Karl Schmitt-Rottluff, die Schriftsteller Stefan Heym und Lothar-Günther Buchheim, sowie Katarina Witt erblickten hier das Licht der Welt. Wie kam es nun dazu, dass Chemnitz über diese Kulturschätze verfügt? In Zeiten der Industrialisierung wurde hier viel Geld verdient, welches die Unternehmer als Mäzene in Kunst und Kultur investierten. Damit stieg auch die Lebensqualität in der Stadt und somit die Attraktivität für qualifizierte Arbeitnehmer. Also nicht ganz uneigennützig wurden Gewinne für Museen und Theater gespendet, dies auf jeden Fall zum Vorteil der Stadt. Davon profitiert Chemnitz bis zum heutigen Tage. Denn namhafte Unternehmen aus der Automobilindustrie und Hochtechnologie produzieren hier. Mit Veronika laufe ich durch die Innenstadt, die geprägt ist von Einkaufszentren und einem Altstadtkern, wo sich das sehenswerte Rathaus befindet. Vielmehr gibt es ein altes Rathaus und ein neueres. Das Glockenspiel im Turm kündet von den Epochen der Stadtgeschichte. Natürlich machen wir auch Halt am Monument für Karl Marx, der hier überlebensgroß und gedankenvoll in die Weite blickt. 

Mit Lucia besichtige ich das Industriemuseum, welches sich der sächsischen Maschinen- und Wirtschaftsgeschichte widmet. Der Kurator Jürgen Kabus führt uns durch die Räumlichkeiten und gibt Auskunft zu den Exponaten. Die Weberei- und Textilindustrie ist eine der Quellen des wirtschaftlichen Aufstieges. Später kamen Maschinenbau und Automobilindustrie hinzu. Auch Bergbau spielten in der Region Sachsen ein große Rolle. Im feinen Stadtteil Kapellenberg, wo auch die Industriellen ihre Domizile vorzugsweise errichteten, besuche ich mit Lucia die Villa Esche. Diese gilt als eine Art Gesamtkunstwerk des Jugendstils. Im Auftrag des Textilfabrikanten Herbert Eugen Esche baute der belgische Architekt Henry van de Velde Anfang des 20. Jahrhundert diese imposante Villa. Frau Dr. Andrea Pötzsch zeigt uns das großbürgerliche Ambiente, wo heute auch Veranstaltungen stattfinden. Im Restaurant „Villa Esche“ gibt es übrigens leckere regionale Küche. Wir machen noch einen Abstecher in das Sächsische Fahrzeugmuseum. Hier kann man die Oldtimer aus hiesiger Produktion bestaunen. Abends esse ich typisch sächsisch in Hotelrestaurant Scala, danach steht ein szenischer Liederabend in der Oper auf dem Programm: die „Winterreise“ von Franz Schubert. 

Kabarett & Wasserschloss

Ich habe nicht wenig gestaunt, als ich erfahren habe, dass sich Chemnitz um den Titel als Europäische Kulturhauptstadt des Jahre 2025 bewirbt. Da möchte ich mehr erfahren. Ich treffe mich mit Matthias Nowak im „Dreamers Café“ am Brühl-Boulevard. Diese Prachtstraße wird gerade neu gestaltet, auch als Vorbereitung für die europäische Auszeichnung. Herr Nowak ist Pressesprecher von Chemnitz und erklärt mir das Projekt. Aufgrund der besonderen Kulturschätze der Stadt und des großflächigen Wandlungsprozesses von Chemnitz, in Kombination mit der durchaus europäischen Wirtschaftsgeschichte besteht hier erhebliches Potenzial, so der Pressesprecher. Nach der Nominierung, bei der sich Chemnitz gegenüber starken Mitbewerbern durchgesetzt hat, unternimmt die Stadt energische Anstrengungen, das integrale Konzept umzusetzen. Und die Chancen stehen nicht schlecht. Die Entscheidung fällt Ende September 2020.

Am Nachmittag besichtige ich das Alte Rathaus von Chemnitz. Die gediegenen Hallen mit schönen Gemälden und ehrwürdigen Sälen sind beeindruckend. Vom Hohen Turm hat man einen fabelhaften Überblick über die Stadt. In einer alten Strumpfwirkerei befindet sich das Restaurant Janssen, wo ich mit Lucia den leckeren Lunch einnehme. Dann geht es in die Kunstsammlungen, gegenüber vom Hotel. Besonders die Abteilung für Malerei der Romantik hat es mir angetan. Auch aktuelle Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst finden hier statt. Zum Dinner gehen wir in die ehemalige Webstuhlfabrik von Louis Schönherr, in das Restaurant Max Louis. Hier stehen Steak & Co auf dem Menü. Diese Location ist Hipster-affin, es gibt allerhand innovative Events und kulturelle Angebote auf dem Gelände. Anschließend ist Zeit für nachdenkliches Schmunzeln: Auf der Bühne des Chemnitzer Kabarett servieren die großartige Ellen Schaller und das Ensemble verschmitzte Anmerkungen zur gegenwärtigen Lage der Gesellschaft. 

Am nächsten Morgen folgt ein weiteres kulturelles Highlight: Im smac, Kürzel des Staatlichen Museums für Archäologie, treffe ich Attila, der mir die Schätze des Hauses näher bringt. Im ehemaligen Kaufhaus Schocken eingerichtet, kann man sich hier von der Urgeschichte Sachsens bis zur Industrialisierung schlau machen. Tolle Exponate, die man so schnell nicht vergisst! Mit der Straßenbahn fahre ich dann mit Lucia raus zum Wasserschloss Klaffenbach. Denn Sachsen und auch die Region Chemnitz sind ja berühmt für Schlösser und Burgen. Hier also haben die Edelleute vergangener Zeiten Feste gefeiert und Pläne geschmiedet. Im Gewölberestaurant mit mittelalterlichem Ambiente nehme ich Abschied von Chemnitz. Ich fahre zurück nach Dresden, um mir dort im Residenzschloss die Paraderäume von August dem Starken anzuschauen. Vorher nehme ich noch gegenüber der Semper-Oper im Restaurant „Alte Meister“ einen feinen Snack. August der Starke ist bekannt für seine prunkvollen Bauwerke. Anlässlich der Vermählung des Kurprinzen ließ der Herrscher eine Raumfolge gestalten, die Ausdruck seines Selbstverständnisses von Rang darstellen. Sehr üppig, sehr imposant!

Mehr Infos:

www.chemnitz-tourismus.de

www.sachsen-tourismus.de

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