fbpx Entdeckerziele - Namur: Lebensart in der Wallonie Direkt zum Inhalt
Rubrik

Entdeckerziele Namur: Lebensart in der Wallonie

rb - 31.01.2020 - 07:00 Uhr

Die Wallonie ist der französische Teil Belgiens. Hier verbinden sich charmante Gemütlichkeit und leibliches Wohl auf's Feinste. Namur ist Hauptstadt der Wallonie und bietet für Kultur-Interessierte und Gourmets so einiges. Die verträumten Gassen und schnuckeligen Shops laden zum Flanieren ein, in den Restaurants gibt es typische Köstlichkeiten. Ein Kurztrip ist empfehlenswert.

Kulinarischer Streifzug

Bei strahlendem Sonnenschein besteige ich in Köln den Edelzug Thalys. Sehr bequem fahre ich damit in etwa einer Stunde bis nach Lüttich und steige dort um. Ziel: Namur. Hier mündet der Fluss Sambre in die Maas. Historisch stand Namur unter wechselnden Einflüssen von Franzosen, Spaniern und Niederländern. Davon kündet heute noch die riesige Festung, von wo aus Stadt und Umland gut zu besichtigen sind. Im Hotel Les Tanneurs beziehe ich mein gemütliches Zimmer. Aus mehreren Häusern des siebzehnten Jahrhunderts zusammengefügt, ist das Hotel eine bemerkenswerte Unterkunft. Das Interieur verbindet rustikales Flair mit modernem Komfort. Bruno holt mich an der Rezeption zu einem kleinen Spaziergang ab. Bei Djoseph und Francwès machen wir kurz halt: Die Skulpturen verkörpern ein Pärchen Namurer Originale, die eine Schnecke behüten. Denn die Schnecke ist ein Symbol der Stadt, und nebenbei sind Schnecken hier auch eine kulinarische Spezialität – Les Petits Gris. Schwerpunkt von unserem Rundgang ist denn auch das vielfältige Angebot von Namur in Sachen Speise und Trank. Diese Balade Gourmande führt uns zunächst zu L'Empreinte Belge in der Rue des Carmes. Dieser alternative Concept Store mit angeschlossenem Café bietet regionales Design zum Kauf an und lanciert jetzt auch ein eigenes Craft Beer, das mit Crowd Funding finanziert wird. Bier aus Belgien ist ja allgemein bekannt als besonders gehaltvoll und süffig, deshalb ziehen wir weiter zum „Barnabeer“. Dies ist ein Tempel des Gerstensafts. Unzählige Sorten, sowohl vom Fass, als auch in originellen Flaschen. Wir probieren mal das eine oder andere Glas, dazu gibt es deftige Wurst und Käse. Auf unserem weiteren Weg schauen wir auch rein bei „Joly Antiquités“, wo uns Eric empfängt. Er ist Fachmann für Vintage-Objekte. Besonders seine umfangreiche Sammlung von Art Deco hat mich beeindruckt. Das Bistro Belgo Belge in der Rue Saint-Joseph widmet sich ganz der regionalen Küche, wie der Name schon sagt. Hier gibt es natürlich auch die guten Pommes. Vielleicht ist Namur sogar der Ursprungsort dieser Kartoffelspeise. Denn eine Anekdote besagt, dass die Leute in Namur bestimmte Kleinfische aus dem Fluss besonders schätzten. Als im 18. Jahrhundert mal die Maas zugefroren war, und damit keine Fische mehr auf dem Teller landeten, kam man auf die Idee, selbige aus Kartoffeln zu schnitzen und zu frittieren. So könnten die Pommes geboren sein. Der Weg führt uns zum SecondHand-Laden „RamDam“ von Jérémy und Simon Arnould. Die Brüder verkaufen Vinyl-Platten, gebrauchte Brettspiele und Bücher, vor allem also Old School-Medien.  Direkt am Eingang steht stilgerecht eine ulkige Maschine, die mit viel Ram und Dam ein Buch mit Goldstaub hervorbringt. Danach besuchen wir noch das Maison Saint-Aubain in der Rue de l'Ange, wo man typische Wurst und Käse der Region bekommt. Lokale Spezialitäten gibt es auch in der Rue de la Halle bei „Cave de la Wallonie“. Diese Epicerie hat ein breites Angebot an Spirituosen. Ihren Abschluss findet diese lukullische Tour abends in meinem Hotel. Im „Le Grill des Tanneurs“ entscheide ich mich für gegrillte Käsemedaillons, zum Dessert gibt es Pistazien-Tiramisu.

Museen und Festung

Am nächsten Tag steht Kultur auf dem Programm. Das Museum Rops liegt in der Rue Fumal. Auf mehreren Etagen kann man das vielfältige Werk des Karikaturisten und Symbolisten Félicien Rops bestaunen. Er wurde 1833 in Namur geboren, lebte und arbeitete später in Brüssel und Paris, wo er in Künstlerkreisen heimisch wurde und wichtige Impulse aufnahm. Auch sein wohl wichtigstes Werk mit Namen „Pornokratès“ hängt im Museum. Die Fachleute sind sich nicht ganz einig über dessen Bedeutung. Die Darstellung einer ziemlich nackten Frau mit Schwein an der Leine hat wohl damals für viel Wirbel gesorgt. Guy Protin zeigt mir die Exponate und erklärt mir sehr sachkundig die Besonderheiten der einzelnen Werke. Rops war von den fundamentalen Motiven menschlicher Existenz wie Eros und Thanatos fasziniert und brachte diese mit viel Fantasie und Symbolkraft auf Papier und Leinwand. Anschließend besuche ich das Museum TreM.a in der Rue de Fer. Julien de Vos ist hier Kurator und macht mit mir einen Rundgang durch die historischen Räumlichkeiten. Besonders beeindruckend ist die archäologische Sammlung an mittelalterlichen Gold- und Silber-Preziosen. Unfassbar, wie fein ziseliert die Kunsthandwerker zur damaligen Zeit gearbeitet haben. Dann gibt es dort noch fantastische Schnitzaltäre und eine Sammlung des Malers Henri Bles, der um die Mitte des sechzehnten Jahrhundert tätig war. Sehr zu empfehlen!

Über Namur ragt die Zitadelle – ein riesiges Festungsbauwerk, das etliche Wechselfälle der Geschichte überstanden hat. Auf mehreren Ebenen angelegt, wurde an diesem militärischen Bauwerk über Jahrhunderte gebaut, Kriege haben Schaden daran angerichtet. Heute werden umfangreiche  Renovierungsarbeiten durchgeführt. Man kann hier eine militärhistorische Ausstellung besuchen und Räumlichkeiten für Feste anmieten. Eine Besonderheit: In den Katakomben der Festung befindet sich auch eine Parfümerie. Den Prozess der Herstellung edler Düfte kann man sogar hautnah miterleben, denn im Atelier von Guy Delforge sind Führungen hinter die Kulissen der Parfümerie möglich. Abends gibt es noch ein leckeren Schmaus in der Brasserie Francois am Place Saint-Aubain, hier gönne ich mir die famosen Boulettes – natürlich mit Pommes.

Mehr Infos:

www.namurtourisme.be/de

www.belgien-tourismus-wallonie.de

Auch Interessant

Fünf Dinge...

Urlaubstipps für 2020

Die Schönheit des eigenen Landes oder der eigenen vier Wände entdecken, dass wird dieses Jahr gut möglich oder sogar nötig sein. Urlaubstipps 2020.
Und weg!

Kurzurlaub übers lange Wochenende

SCHWULISSIMO hat Euch in diesen ungewissen Zeiten ein paar Urlaubsoptionen im eigenen Land zusammengetragen. Der Fokus liegt hier auf Kurzurlaub.
Die besten und schlechtesten

Reiseziele für Schwule

Du planst gerade deinen nächsten Urlaub und willst dabei eine tolle Zeit erleben? Dann bist du hier genau richtig! Wir haben ausgiebig recherchiert.
Prince Charming

ALL GAY CRUISE

Leinen los! Prince Charming GAY CRUISE sticht am 25. Juli in See. Last Minute gibt es noch wenige Plätze für das Abenteuer an der kroatischen Adria.
Natur oder ein aufregender Städtetrip?

Reiseziele für den Sommer

Im Sommer muss man nicht immer weit reisen, um atemberaubende Gegenden zu entdecken. Genau deshalb fällt der Blick heute auf die besten Reiseziele.
Entdeckerziele

Chancen für Chemnitz

Sachsens Wirtschaftsmetropole liegt etwa achtzig Kilometer von Dresden entfernt. Doch wer dabei nur an rauchende Schornsteine denkt, hat weit gefehlt.
Rainbow Camping Weekend

Natur, Camping, FKK und Vielfalt

Der bunte, nackte Campingspaß geht in die dritte Runde und alle guten Dinge sind drei. Das „Rainbow Camping Weekend" wird unvergesslich werden.
Entdeckerziele

Nantes: Erlebnis an der Loire

In der Nähe des Atlantiks liegt die französische Metropole Nantes. Kunst und Kultur sind ganz groß geschrieben. Jules Verne wurde hier geboren.
Las Vegas PRIDE Festival

Die Highlights der 22. LGBTQ-Parade

Bereits zum 22. Mal fand in der bunten Glücksspielmetropole Las Vegas das PRIDE Festival statt. Im Oktober feierten unzählige Besucher*innen.