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Kommerz in der Pride-Saison
Rubrik

Jetzt wird es aber bunt Rund um den Kommerz in der Pride Saison

ja - 07.07.2020 - 17:00 Uhr

Sie sind auf T-Shirts, Kaugummis oder gar Gesichtscremes: In der Pride Saison findet man die Farben der Regenbogenflagge nahezu überall. Große Modefirmen haben Produkte mit dem Symbol in ihren Kollektionen, im Supermarkt gibt es Regenbogen-Gummibärchen und große Kosmetikkonzerne machen ihre Cremes für einen Monat ganz bunt und erzielen damit große Verkaufszahlen. Es scheint als wollten die Firmen ihre Solidarität zeigen und aktiv auf LGBTI*-Themen aufmerksam machen. Doch steht dies wirklich hinter dem besonderen Marketing? Verkaufen sich Produkte im Regenbogen-Motto tatsächlich so gut? Und wissen Menschen, die nichts mit der LGBTI*-Szene zu tun haben überhaupt, was genau sie da kaufen? SCHWULISSIMO nimmt den häufig kritisierten Kommerz rund um Pride Monat und Christopher Street Day genauer unter die Lupe.

Wer Teil der Community ist, hat vermutlich geschärfte Sinne und entdeckt so mit Sicherheit das ein oder andere "Pride-Produkt". Viele Firmen haben das Thema mittlerweile fest in ihrem Produktionsplan integriert und bieten jedes Jahr entsprechende Artikel. Bedeutende Supermarkt- oder Möbelhausketten werben mit den entsprechenden, bunten Farben und zeigen sich so nach außen hin besonders LGBTI*-freundlich. Jedes Jahr werden es mehr Firmen und Unternehmen, die dies tun. Während einige tatsächlich dahinterstehen, die politischen Interessen unterstützen und gegen Diskriminierung kämpfen wollen, betreiben andere sogenanntes "Pinkwashing". Anstatt für Gleichberechtigung wird hierbei dann eher für einen hohen Umsatz gekämpft.

Denn obwohl es auch im Jahre 2020 noch viel präsente Homophobie gibt, funktioniert das Geschäft sehr gut. Dies belegt zumindest eine Studie der "GLAAD" (Gay Lesbian Alliance Against Defamation = eine Non-Profit Organisation von LGBTI*-Aktivisten): Demnach profitieren Firmen vom bunten Marketing deutlich. Pride Produkte werden tatsächlich gut oder teilweise sogar besser verkauft als "normale". Und zwar nicht nur weil sie schön aussehen, sondern auch, weil viele Menschen solche Firmen bewusst unterstützen möchten. Laut Studie sehen auch Käufer der Produkte, welche nichts mit der LGBTI*-Szene zu tun haben, ein solches Marketing sehr positiv und wissen außerdem genau, wofür die Flagge steht. Vermutlich haben sie beim Kauf von Produkten dieser Art das Gefühl, etwas "Gutes" zu tun - ohne selbst einen großen Aufwand betreiben zu müssen. Außerdem kaufen LGBTI*-Personen natürlich so einige Pride-Artikel selbst. Die weltweite Kaufkraft der queeren Community wird vom britischen Marktforschungsunternehmen "LGBT-Capital" auf etwa 3,7 Billionen US-Dollar pro Jahr – zweimal so viel wie die gesamte Kaufkraft des Landes Kanada – geschätzt. Mit Pride-Produkten werden also tatsächlich große Umsätze gemacht.

 

Pride-Socken

Dennoch gibt es auch hier eine Kehrseite: Unternehmen, die Queer-Marketing betreiben, riskieren mit ihrer öffentlichen Bekennung zur LGBTI*-Community trotzdem auch finanzielle Einbuße durch Nicht-LGBTI*s. Erst im Sommer 2019 hatte eine italienische Bekleidungsmarke innerhalb einer Woche 14.000 Abonnenten verloren, nachdem sie sich für die Gleichberechtigung von LGBTI*s stark gemacht hatte. Dies beunruhigte das Mode-Label jedoch keinesfalls, ganz im Gegenteil: Auf Instagram bedankten sie sich für alle verlorenen Follower und sprachen sich erneut für die Community aus.

Aber nicht nur durch homophobe Menschen, auch aus den Reihen der Community hagelt es heftige Kritik: Der Kommerz rund um den CSD und die Pride-Saison lenke von den eigentlichen Anliegen ab, die Flagge habe für Manche auf einer Gummibärchen-Packung beispielsweise nichts verloren.
Wiederrum andere finden es großartig, weil die Thematik so an alle "leicht bekömmlich" herangetragen würde.

Was genau am gesamten Pride-Marketing nun gut oder schlecht ist, muss hier wohl ein jeder für sich selbst entscheiden. Fest steht aber, dass es durch die mittlerweile hohe Präsenz die Aufmerksamkeit auf die LGBTI*-Community richtet und somit sicherlich zum Nachdenken anregt, wenn sie die Flagge überall sehen. Es findet jedenfalls ein Austausch statt und wird so definitiv "normalisiert". Außerdem erhält der Kommerz großen Zuspruch, was definitiv als Erfolg eingestuft werden könnte. Aktuell gibt es aber bestimmt ganz andere Problempunkte, die vielleicht etwas akuter sind, als die Kritik der Kommerzialisierung des Prides. Zum Beispiel, dass wir im Jahre 2020 immer noch darüber sprechen müssen, dass LGBTI*-Themen überhaupt richtig normalisiert werden. 

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