Direkt zum Inhalt

Selbstbestimmungsgesetz Parlamentarische Mehrheit fordert Streichung des Gesetzvorhabens

Von ms - 05.04.2024 - 12:00 Uhr
Selbstbestimmungsgesetz
Foto: iStock / thehague
ANZEIGE
Loading audio player...

Als nächstes Land nach Schweden oder Großbritannien vollziehen nun auch die Niederlande final eine 180-Grad-Wende beim Selbstbestimmungsgesetz. Nach Auskunft der niederländischen Zeitung AD „hing das Transgender-Gesetz bereits am seidenen Faden“, nun soll das Gesetz komplett gestrichen werden.

Sinneswandel in der Regierung

Bereits im Herbst 2022 war es in der liberal-konservativen Regierungspartei VVD zu einer ersten Neubewertung gekommen, nachdem die Partei selbst die angedachte Gesetzesänderung 2020 vorgelegt hatte. Dem Sinneswandel war eine Erklärung des Arztes Thomas Steensma vom „Zentrum für Gender-Dysphorie“ an der Amsterdamer Universitätsklink vorausgegangen. 

Steensma hatte darin bekräftigt, dass von vielen Befürwortern seine eigene Studie aus dem Jahr 2006 dafür verwendet wird, Pubertätsblocker bei Kindern zu legitimieren. Dabei, betonte der Fachmann, sei seine Studie mit Probanden, die schon als Kleinkinder unter Geschlechtsdysphorie litten, keineswegs mit den Minderjährigen heutzutage und deren Wunsch nach Transition zu vergleichen. Sein Appell: „Hört auf, unsere Forschung blindlings zu übernehmen!“

Mehrheit fordert finale Streichung

Seitdem war das Gesetzesvorhaben auf Eis gelegt. Die Partei NSC mobilisierte deswegen jetzt in diesen Tagen nach Angaben von AD eine parlamentarische Mehrheit, um das Gesetz nun gänzlich streichen zu lassen. Die einstmalige Unterstützung der niederländischen Variante des Selbstbestimmungsgesetzes bezeichnete die NSC-Abgeordnete Nicolien van Vroonhoven als „Fehler“ ihrer Partei. 

Die angedachte Gesetzesänderung zum juristisch vereinfachten Geschlechtswechsel galt spätestens seit 2022 als stark umstritten, seit den letzten Parlamentswahlen Ende 2023 gibt es zudem auch keine parlamentarische Mehrheit mehr dafür. Sieben andere Parteien haben inzwischen ebenso bekräftigt, gegen das Gesetzesvorhaben zu stimmen. Die NSC-Abgeordnete van Vroonhoven hat deswegen nun das niederländische Kabinett gebeten, den Änderungsantrag komplett zurückzuziehen, sodass das Gesetzesvorhaben dauerhaft vom Tisch ist. Folgt das Kabinett dieser Aufforderung nicht, wollen die acht Parteien einen gemeinsamen Antrag zur Streichung vorbringen und eine Entscheidung des Kabinetts erzwingen. Mit insgesamt 79 Sitzen hat das Parteienbündnis eine Mehrheit im Parlament.  

„Es sollte nicht zu einfach sein“

Die Gesetzesänderungen sah ähnlich wie beim angedachten Selbstbestimmungsgesetz in Deutschland vor, dass Menschen ab dem 16. Lebensjahr ohne eine medizinische oder psychologische Begutachtung ihren Personenstand einfach per Sprechakt ändern können. Van Vroonhoven betonte dazu: „Wir sind absolut nicht gegen eine Geschlechtsumwandlung. Aber es sollte auch nicht zu einfach sein. Es gibt echte Risiken für die Sicherheit von Frauen. In England zum Beispiel sieht man, wie Männer plötzlich Zugang zu Frauengefängnissen erhalten. Das sollten wir nicht wollen.“

Die wenigen verbliebenen Befürworter der angedachten Gesetzesänderung im Parlament sprechen indes weiter von „Geistergeschichten“ der Kritiker, die Abgeordnetenkammer würde mit der Streichung des Gesetzvorhabens das „Streben nach individueller Freiheit“ in den Niederlanden aufgeben. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazNeue ZDF-Serie: Das Geisterhaus im SchwarzwaldhessenschauTanzen gegen die Einsamkeit: Ein Ort, an dem sich queere Menschen nicht erklären müssenBerliner MorgenpostDie Sehnsucht im Italien der bleiernen Jahre: „Buch der Träume“WDRComing-Out-Days: Queeres Leben auf dem LandAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Frankreich verbietet Dickpics

Hohe Strafen für Penisfotos

Frankreich will ungefragt verschickte Penisfotos unter Strafe stellen. Schon ein einziges Bild könnte künftig 15.000 Euro kosten, auch bei Dating-Apps
Schuluniformen in Pornos

Verbot in Großbritannien gefordert

In England wird über eine Petition debattiert, die Schuluniformen aus Pornofilmen verbannen und damit Jugendliche vor Sexualisierung schützen soll.
Justin Lui zieht Bilanz

Schwuler Olympionike hört auf

Der offen schwule Volleyball-Olympionike Justin Lui beendet seine Nationalmannschaftskarriere und blickt stolz auf sein Coming-Out zurück.
Coming-Out im Wandel

Schwul sein ohne Versteckspiel

Zwischen Angst und Selbstverständlichkeit: Das Coming-Out schwuler Männer hat sich in 30 Jahren grundlegend verändert.
Krise unter US-Jugendlichen

Queere Jugendliche ohne Zuhause

Junge LGBTIQ+-Menschen in den USA sind mehr als doppelt so häufig von Wohnungslosigkeit betroffen. Experten fordern jetzt bessere Hilfen.
Nackt durch Vice City

GTA 6 zeigt nackten Helden

Ein neuer GTA-6-Leak zeigt Hauptfigur Jason völlig nackt in Vice City. Rockstar bestätigt jetzt Nacktszenen für das kommende Spiel.
Heiratsantrag am Leuchtturm

Schwule Volleyballstars sagen Ja

Die schwulen Beachvolleyballer Tim Brewster und Kyle Friend haben sich verlobt. Der Heiratsantrag fand an einem Leuchtturm in Maine statt.
Gen Z altert schneller

Studie zeigt beschleunigtes Altern

Neue Studien deuten darauf hin, dass die queer-affine Gen-Z biologisch schneller altert. Die Hintergründe dafür sind noch nicht final erklärt.
Proteste gegen Harry Potter

Aktion gegen Lichter-Show in London

Aktivisten fordern ein Verbot der Harry-Potter-Weihnachtsbeleuchtung in London. Grund ist die Kritik an J. K. Rowlings Haltung zu trans* Rechten.