Direkt zum Inhalt
Prince Charming Kandidat spricht über Rassismus

Bon Markel Prince Charming Kandidat spricht über Rassismus

km - 15.11.2021 - 10:00 Uhr

Bon Markel ist 28 Jahre jung, kommt aus München ist dem ein oder anderen vielleicht aus der Dating-Show „Prince Charming“ bekannt. Er ist halb Thailänder und halb Deutscher, weswegen er immer wieder unter Rassismus leidet und das auch innerhalb der LGBTI*-Community. Der selbstbewusste Betriebswirt spricht im Interview mit SCHWULISSIMO über seine Entwicklung bei „Prince Charming“, seine erste Erfahrung mit Rassismus, Probleme beim Dating und vieles mehr.
 

Hast du Feedback aus der Community bekommen nachdem du bei „Prince Charming“ warst? Hast du Menschen empowert?
Ich habe sowohl gutes als auch schlechtes Feedback aus der Community bekommen. Einige meinten, dass ich die Gay Community schlecht rede, weil ich immer davon erzähle, wie diskriminierend und toxisch sie sei und ob ich nichts Nettes zu sagen hätte. Die Mehrheit hat mich aber für die Ehrlichkeit und Offenheit gelobt. Viele konnten sich mit meinen Aussagen identifizieren und haben sich verstanden gefühlt. Meiner Asian Community habe ich viel Mut und Selbstbewusstsein gegeben. Sie waren froh, dass es endlich mal ein Asiate in so ein Format geschafft hat. Dadurch trauen sich hoffentlich in Zukunft mehr Asiaten zu zeigen, wie großartig und liebenswürdig sie sind.

Hat dich die Show in deiner Persönlichkeitsentwicklung vorangebracht – wenn ja, wie?
Total! All die Jahre habe ich eine Schutzmauer aufgebaut, ich wollte nach außen hin immer der fröhliche gut gelaunte Bon sein, der nie traurig ist. Aber bei „Prince Charming“ habe ich gelernt, dass es vollkommen in Ordnung ist, Gefühle zuzulassen und sie auch zu zeigen.

© TVNOW

Wie nutzt du deine neugewonnene Reichweite?
Ich hatte früher oft mit Mobbing, Diskriminierung und Body-Image-Problemen zu kämpfen. Mittlerweile bin ich selbstbewusst und bereit, mich für andere einzusetzen. Ich möchte Social Media nicht nur für meine glücklichen und sexy Bilder nutzen, sondern auch Leute ermutigen und mich für Themen einsetzen, die mir persönlich sehr wichtig sind, z.B. Mental Health und Diskriminierung besonders gegenüber Asiaten.

Erinnerst du dich noch an das erste Mal als du Rassismus erfahren hast? Wie war das? Was hast du gefühlt?
Die ersten Male als ich Rassismus wahrgenommen habe, war ca. ab der 6. Klasse. An eine Situation kann ich mich noch ganz genau erinnern. Wir waren auf dem Weg zum Public Viewing und ich hatte eine deutsche Flagge dabei. Dann meinte jemand, was ich hier mache und wieso ich eine deutsche Flagge dabei habe? Denn China spiele doch heute gar nicht! Ich war traurig und irritiert zugleich, weil innerlich fühle ich mich wie ein Deutscher, aber die Gesellschaft zeigt mir immer wieder, dass ich nicht wirklich dazu gehöre.

Wie empfindest du Rassismus innerhalb der LGBTI*-Community?
Als ich mich damals geoutet habe, wendete ich mich an meine Community und traf überwiegend nur auf Diskriminierung und Ablehnung. 13 Jahre später muss ich sagen, hat sich das definitiv verbessert und jetzt wird man mehr geschätzt und akzeptiert, egal woher man kommt.

© TVNOW

Wie empfindest du Ausgrenzungen bei Dating-Apps wie „keine Asiaten“ – es wird ja oft damit erklärt, dass man einfach weiß, was man nicht will. Warum ist das problematischer als zu sagen „nicht blond“?
Wenn man sowas liest, ist man einfach verletzt, dass Menschen einem die Türe zu schlagen, obwohl sie einem noch nicht mal eine Chance gegeben haben. Ich verstehe nicht, wieso man komplett alle Asiaten aufgrund ihrer Herkunft ausschließt, ohne den Menschen dahinter zuerst mal kennenzulernen. Wir sollten uns eher darauf konzentrieren, was unsere Präferenzen sind, anstatt uns gegenseitig auszuschließen.

Woher kommt der Rassismus aus der LGBTI*-Community, sind es nicht Menschen, die wissen müssten wie es sich als Minderheit anfühlt?
Das ist einfach eine Doppelmoral, wir wollen alle gleichberechtigt sein aber grenzen innerhalb unserer eigenen Community immer noch Leute aus. Gefühlt gibt es nur ein Idealtyp, europäisch, groß, durchtrainiert und unter 30. Wer davon abweicht wird ausgegrenzt. Ich denke die LGBTI*-Community ist sehr schnelllebig, so nach dem Motto: Der nächstbeste ist schon um die Ecke. Um nicht viel Zeit zu verlieren, grenzt man direkt Leute aus auf die man keine Lust hat.

Hast du regelmäßig mit Rassismus oder Homophobie zu tun?
Homophobie zum Glück noch nie! Dazu muss ich sagen, dass ich in der schönen Stadt München wohne. München ist sehr vielfältig, tolerant und bunt. Rassismus kommt schon öfter mal vor, aber dann eher online.

Hast du aufgrund deiner Hautfarbe/Aussehens Probleme beim Dating in der LGBTI*-Community? Wie sehen diese Probleme aus?
Definitiv! Es gibt viele Vorurteile gegenüber Asiaten. Ich habe das Gefühl, wir müssen immer einen Schritt mehr machen als andere, um überhaupt eine Chance zu bekommen. Für viele sind wir auch nur ein Fetisch oder stehen auf deren Bucket List.

© TVNOW

Hat sich etwas geändert im Umgang mit Rassismus in den letzten Jahren in Deutschland?
Es hat sich einiges getan, aber wir sind noch lange nicht am Ziel. Früher war es lustig oder in Ordnung, wenn man mal rassistische Kommentare oder Witze gemacht hat. Mittlerweile sind die Leute dahingehend sensibilisiert und denken vorher nach, ob eine Aussage jemanden verletzen könnte. Oftmals passiert Rassismus unbewusst, hierbei ist es wichtig, dass wir weiterhin Aufklärungsarbeit leisten.

Warst du auch vom Corona-Hass betroffen, welcher sich scheinbar gegen alle Menschen aus Asien gerichtet hat und auch Menschen, die nur im Entferntesten so aussehen?
Tatsächlich war ich persönlich nicht betroffen, aber es zerbricht mir das Herz, wenn ich den Hass und die Gewalt gegen Asiaten tagtäglich mitbekomme. Umso mehr setze ich mich für meine asiatische Community ein und möchte ein Vorbild sein.

Was muss deiner Meinung nach in die Köpfe der Menschen, um frei und offen leben zu können?
Das jeder Mensch so leben darf, wie er möchte, solange er keinen anderen damit verletzt oder beeinträchtigt. Jeder sollte sich mehr auf sich selbst fokussieren und erstmal vor der eigenen Haustüre kehren.

Wenn du rassistische Erfahrungen machen musstest, was hast du dir in diesem Moment von den Menschen in der Nähe gewünscht? Oder anders gefragt, wie kann man Opfer von Rassismus im Alltag unterstützen?
Menschen, die rassistische Erfahrungen machen, haben das Gefühl, dass sie aufgrund ihrer Herkunft nie dazu gehören werden. Meine Freunde und Familie haben mir immer versichert, dass ich ein wichtiger Teil bin und egal wie ich aussehe, immer dazu gehöre. Am besten hilft man, indem man diese Menschen inkludiert, sie wertschätzt und gleichberechtigt behandelt.

Union und AfD haben Stimmen in München verloren und Grüne ordentlich zugelegt – was erhoffst du dir LGBTI*-politisch von diesem Ergebnis? Was sollte die kommende Koalition unbedingt anpacken, wenn es um das Thema LGBTI* und Rassismus geht?

  • Straftaten die einen LGBTI* / Rassismus Hintergrund haben härter bestrafen
  • Mehr Aufklärungsarbeit an Schulen leisten, LGBTI* und Rassismus sollte ein Pflichtprogramm werden
  • Gemeinnützige Organisationen die sich für LGBTI* und Rassismus einsetzen mehr fördern

Auch Interessant

Im Interview

Schauspielerin Marie-Luise Marjan

Marie-Luise Marjan ist Schauspielerin und vor allem durch ihre Fernsehrolle der Mutter Beimer in der Lindenstraße deutschlandweit bekannt
Timo Becker - Homologie

EduGAYtion vom Vertretungslehrer

Timo Becker ist Theaterpädagoge, Dipl. Sozialpädagoge sowie Kabarettist und geht als homosexueller Vertretungslehrer Malte Anders in die Schulen.


Daniel und Thomas

Pärchen November 2021

Unser Liebe-Pärchen des Monats lebt und arbeitet in Hannover, ist aber allein schon durch die gemeinsamen polnischen Wurzeln miteinander verbunden.
Dokumentarfilm "TRANS – I got life"

Filmemacherinnen Doris Metz

Doris Metz zeigte in ihrem Film „Schattenväter“ starke einflussreiche Väter-Sohn-Beziehungen von Schauspieler Matthias Brandt plus Vater Willy
Manuel Gardner Fernandes

Unprocessed aus Wiesbaden

„Ich finde, es müsste selbstverständlich sein, dass jeder, egal mit welcher sexuellen Orientierung, einen Platz in unserer Gesellschaft hat."
Leserumfrage

Wofür ich mich geschämt habe

Ich habe mich schon für einige Dinge geschämt. Wenn es mir zum Beispiel zu freizügig wird, ist mir das unangenehm. Ich schäme mich manchmal...
Dipl. II-Sozialpädagoge Dirk Wagner

Partner gesucht?

Dipl. II-Sozialpädagoge Dirk Wagner über Dating-Apps, wie Corona Dating erschwert hat, was Berlin besonders macht sowie Dating-Tipps und vieles mehr.