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MKSM auf CSD-Tour

MKSM auf CSD-Tour Der CSD ist ein stückweit politischer geworden, als er es noch vor der Pandemie war

km - 10.12.2021 - 10:00 Uhr

Die Planungen für die CSD-Saison sind im vollen Gange und die queere Community und die Veranstalter drücken die Daumen so fest sie können. So wird 2021 hoffentlich das letzte Mal eine Corona-dominierende CSD-Saison gewesen sein. Doch bevor wir uns in die Zukunft werfen, blicken wir zum Ende des Jahres nochmal zurück. Mit dem Künstler MKSM hat sich SCHWULISSIMO einen Experten zu diesem Thema eingeladen, denn er hat viele CSDs dieses Jahr gesehen. Auf seiner CSD-Tour war er in ganz Deutschland und konnte nach langer Zeit wieder live vor Publikum auftreten. Er hat kleine Anekdoten im Gepäck, erzählt wie es nach dem Corona-Tief ist wieder zu touren, berichtet über die großen Unterschiede zu vergangenen CSDs und spricht über baldige Kooperationen.

 

Auf welchen CSDs warst du?
Es fing dieses Jahr noch mit ein paar Online-Prides an. Ich war beim CSD in Augsburg, Schwerin, Kiel und bei einer Online-Aktion vom CSD Bielefeld – eben alles noch digital. Allerdings war es schon deutlich weniger, was ich persönlich sehr gut finde, denn für einen CSD müssen wir raus auf die Straße gehen und für Sichtbarkeit sorgen. Daher ist es erfreulich, dass wir das wieder mehr und mehr tun dürfen – auch wenn es die ein oder anderen Einschränkungen noch gibt. 

Den Anfang machte ich live vor Ort in Schönebeck, welches auch der erste CSD dort war. Schöne Stadt an der Elbe, aber als wir ankamen, waren mein Gitarrist und ich schon sehr verwundert: „hier wird morgen ein CSD stattfinden?“. Das konnten wir uns einfach nicht vorstellen. Die Atmosphäre und die verhältnismäßig vielen Menschen haben mich dann positiv überrascht. Das war mein erster Auftritt vor Live-Publikum seit einem Jahr. 

Danach war ich in Chemnitz, in Nürnberg und Magdeburg. In Magdeburg gab es vier Tage vor dem eigentlichen CSD den ersten Campus-CSD überhaupt, der von der Uni und der Hochschule organisiert wurde. Also wieder eine Premiere. Eine sehr schöne Idee, was ich mir auch gewünscht hätte in meiner Zeit an der Musikhochschule. Besonders weil dort der Prozentsatz der LGBTI*-Menschen hoch war bzw. ist. Nicht falsch verstehen – ich habe mich in meiner Hochschule wohlgefühlt und Vielfalt war ein Thema, aber so eine offizielle Veranstaltung dazu zu haben, sollte allgemein etabliert werden. Die Stimmung beim Auftritt war super und irgendwie besonders. 
Ich war auch noch in Krefeld beim Queerfeld Festival, in Dresden, im Heide Park Soltau, Frankfurt am Main – da hatte ich ja auch das Instagram-Take-Over bei euch und dann war ich noch in Halle, Trier und Bielefeld.

MKSM in Trier © Fabi Schönsiegel
MKSM in Trier © Fabi Schönsiegel

Das sind viele Termine und Eindrücke. Wie ist es wieder zu touren nachdem Corona-Tief? 
Ich muss sagen, dass ich in diesem Jahr so viele Pride-Auftritte hatte wie noch nie. Damit meine ich noch nicht mal ein bisschen mehr, sondern wirklich deutlich mehr. Erstens finde ich es für mich als Künstler ganz toll, dass ich meine aktuellen Songs auch vielen Zuschauer*innen präsentieren kann. Dadurch erreiche ich die Menschen auf eine ganz andere Art. Außerdem kann ich auch unveröffentlichte Tracks ausprobieren und habe eben das direkte Feedback, welches für den kreativen Prozess unglaublich wichtig ist.

Zweitens bin ich überglücklich eine Tour-Routine reinzubekommen. Ich bin nach einem Jahr ohne live Auftritte besonders angespannt und nervös gewesen – nervöser als ich sowieso schon immer vor Auftritten war. Dazu kommt noch, dass wenn man dann vor live Publikum spielt wird aufgrund der aktuellen Situation oft zusätzlich gestreamt. Dadurch steigt der Druck. Regelmäßige Auftritte reduzieren vielleicht nicht die Aufregung, aber man kann das was man macht und mit den Menschen, mit denen man es teilt, mehr genießen.

Und das Schönste ist, dass ich das erste Mal erlebt habe, dass einige Fans meine Songs von vorne bis hinten mitgesungen haben. Einmal habe ich eine Textzeile vertauscht und ich konnte eine Zuschauerin in der ersten Reihe beobachten, wie sie den richtigen Text mitgesungen hat. Das war wirklich eine coole Erfahrung.

MKSM © Johannes Polte
MKSM © Johannes Polte

Fühlt es sich an wie vor Corona oder gibt es große Unterschiede?
Teilweise ist es aufgrund der Corona-Pandemie dazu gekommen, dass Konzepte aufgestellt wurden, die die Zuschauer verteilt haben. Dadurch war es vor der Bühne nicht gefüllt, was natürlich der Gedanke dahinter und auch wichtig für die Gesundheit der Teilnehmer*innen war. Aber es gibt ein anderes Live-Gefühl. 
Außerdem sind die CSDs ein stückweit politischer geworden, als es noch vor zwei Jahren der Fall war, das finde ich persönlich sehr wichtig. Natürlich wird gefeiert und man hat eine gute Zeit, aber es sind mehr Reden geworden, mehr Inhalt und eben mehr Demo. Durch die Pandemie hat sich der Aktivismus bei CSDs mehr in den Vordergrund gestellt.

Wie war die Stimmung live vor Ort, nachdem CSD für viele nur online stattfand?
Dieses Jahr habe ich richtig gemerkt, dass die Menschen, die da waren so richtig Bock hatten. Das hat man wirklich vor Ort gespürt, dass sich nach solchen Events gesehnt wurde und man das richtig zelebriert hat. 
Insgesamt ist das Publikum jünger geworden. Ich hätte mich das damals glaube ich nicht getraut und das ist eine schöne Entwicklung, die hier zu beobachten ist.

MKSM live in Dresden © Philipp Grafe

Konntest du mit deinen Fans feiern?
Ich mache immer mit den Menschen, die ein Foto haben möchten, Bilder und wir reden nach den Auftritten. Der CSD in Chemnitz war Ende Juli und die Veranstalter*innen hatten vier unterschiedliche Routen für die Demo gehabt. Es wurde also gut verteilt, deshalb kamen auch nicht alle Besucher*innen gleichzeitig auf dem Platz an. Ein merkwürdiges und ungewohntes Gefühl war dann, dass 999 Menschen ohne Abstand und Maske auf der Wiese Platz finden durften aufgrund der niedrigen Inzidenz zu der Zeit. Es war ein total schöner Auftritt, aber man rechnet eben nicht damit in der noch andauernden Pandemie. Die Bühne stand in der Mitte und deshalb gab es keinen abgeschirmten Bereich für Künstler*innen. Da ich durchgeimpft war, habe ich mich mit vielen Besucher*innen unterhalten und natürlich haben wir auch ein paar Bilder gemacht.

Eine Woche später war das komplette Gegenteil in Nürnberg. Mit Vorverkauf, deutlich weniger Zuschauer*innen, zugeordnetem Sitzplatz und dem Wissen, dass es eine Kulturveranstaltung ist und dementsprechend nicht getanzt wird. Aber natürlich wurde abends noch etwas gefeiert und auch vor der Bühne getanzt - und das bei Regen. Außerdem haben Leopold und ich unseren Song „Love In The Dark“ in Nürnberg zum ersten Mal gemeinsam performt. Das haben wir dann noch bei einigen anderen Prides gemacht.
Besonders war auch der Rosa Tag XXL im Heide Park, weil man da auch Menschen erreicht hat, die sich sonst eher weniger mit dem Thema Vielfalt auseinandersetzen. Dort habe ich zwischen den Songs dann auch mehr über die politische Lage zum Beispiel in Polen gesprochen und da gab es hinterher wirklich interessante Gespräche mit nicht queeren Menschen. 

MKSM in Chemnitz © SU.LTAAN

Hat es sich an den vollen Locations mit lockeren Regelungen schon wieder wie früher angefühlt?
Es war teilweise ähnlich wie vor zwei Jahren, aber ich denke wir müssen uns noch ein bisschen gedulden bis es wieder so wird wie gewohnt. Wenn es dann wieder so ist, wie es vor zwei Jahren war, werden sowohl wir als Künstler*innen, als auch die Teilnehmer*innen das alles ganz anders wahrnehmen und wertschätzen.

Leopold und jaako waren die letzten musikalischen Kooperationen – gibt es schon Gespräche mit einem weiteren Partner? 
Ich arbeite seit einigen Monaten an meiner zweiten EP, die 2022 erscheinen wird und einige Songs sind wieder in Zusammenarbeit mit jaako entstanden. Bisher sind alle Songs in Moll, deshalb überlegen wir gerade, ob wir die EP „Tracks in Minor“ nennen sollen.
Weitere Kooperationen sind erstmal nicht geplant, aber mal sehen was die Zukunft noch bringt.

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