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James Charles zeigt in seinen Youtube-Videos, wie er seine Looks kreiert // © instagram.com/jamescharles
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Make-up Die männliche Beauty-Revolution

js - 28.04.2018 - 07:00 Uhr

Seine Wangen sind gepudert, die Wimpern verlängert und seine vollen Lippen ziert ein nudefarbener Lippenstift. Die Augenbrauen sind nachgezogen und definiert, die Augenlider schattiert und in schillernden Farben akzentuiert. Concealer und Highlighter dürfen nicht fehlen. Seine Zähne sind strahlendweiß, seine Bewegungen grazil. Der 18-jährige James Charles ist ein attraktiver junger Mann. In Amerika wird er für seine Make-up Tutorials gefeiert. Sein YouTube-Channel hat über vier Millionen Abonnenten. Er liebt es sich zu schminken und zu stylen, doch ist er längst nicht der einzige junge Mann, der das tut. Weitere bekannte Male Beauty-Vlogger sind Manny Mua, Jeffree Star und Patrick Starrr.

Was macht diese jungen Männer so erfolgreich? Ist es der neue Schmink-Trend unter Männern? Ist das überhaupt ein neuer Trend?

Bereits seit vielen Jahren gehen auch Hetero-Männer zur Maniküre und Pediküre, weil ihre Hände bzw. Füße einfach gepflegt aussehen sollen. Nun bedienen sich Männer auch immer häufiger an Tages-Make-up, Contouring-Paletten und Eyelinern. Während Mann noch etwas schief angeschaut wird, wenn er durch die Innenstadt läuft, ist das bei vielen Prominenten schon gar kein Thema mehr. Pharrell Williams schwört auf Gel-Eyeliner, Jared Leto betont seine Augen mit dunklem Lidschatten und Johnny Depp trägt Kajal.

Der Einfluss der männlichen Beauty-Ratgeber ist inzwischen so groß, dass die Kosmetikindustrie sie als Werbeträger entdeckt. James Charles zum Beispiel wurde zum ersten männlichen Gesicht des amerikanischen Kosmetikriesen Covergirl und saß schon mit 17 Jahren auf der Couch von Talkmasterin Ellen DeGeneres. Maybelline ernannte Manny Mua zum Markenbotschafter. Jeffree Star hat heute sein eigenes Kosmetik-Imperium mit hunderten von Angestellten.

Aber was macht all diese Jungs denn nun so erfolgreich? Liegt es an ihrer Homosexualität? Vielleicht, denn sie alle mussten einen beschwerlichen Weg gehen, um zu sein, wer sie heute sind. Viele von ihnen kämpften mit Anfeindungen und reden darüber auch in ihren Videos. Sie präsentieren nicht nur das perfekte Make-up, sondern demonstrieren den Akt der Selbstbefreiung von Erwartungen und Mustern, in die sie von der Gesellschaft gepresst wurden. Die männlichen Beauty-YouTuber sind Ikonen all derjenigen, die aus der Reihe fallen. Zugleich erfüllen sie in den Augen der weiblichen Teenagerfans, das Klischee des schwulen besten Freundes. Gleichzeitig geht von ihnen kein Druck aus. Weil sie Männer sind, müssen junge Frauen nicht neidisch sein und sich fragen, ob sie im Vergleich besser oder schlechter aussehen.

Auch in der Kosmetikbranche lösen die Male Beauty-Vlogger eine Debatte aus: Was bedeutet Maskulinität in Zukunft und wie wird sie aussehen? Bislang wurde Männern, die sich schminken, immer unterstellt, sich im falschen Körper zu fühlen oder man drängte sie in die Drag-Szene.

Doch für viele männliche Vlogger, ist Make-up einfach nur ein Teil ihres Alltag-Looks. Die meisten fühlen sich genau richtig im eigenen Körper, möchten sich eben nur schminken, kreativ sein und experimentieren.

David Beckham war Vorreiter, wenn es um Make-up und Körperpflege bei Männern ging. Mittlerweile ist vom dezenten und kaum sichtbaren Tages-Make-up bis hin zu schrillen Farben und Fake-Wimpern alles möglich. Denn warum sollen nur Frauen ihre Augenringe, Rötungen oder Unreinheiten im Gesicht verdecken dürfen?

Das Angebot für Männerkosmetik ist in den letzten Jahren um mehr als 70 Prozent gestiegen. Das Thema Schönheitspflege geht für Männer heutzutage über das bloße eincremen hinaus. Sie schminken sich um ihre Persönlichkeit damit darzustellen. Das Thema Make-up hat nicht unbedingt etwas mit dem Geschlecht zu tun, sondern mit Selbstverwirklichung. Und diese Männer sind wahre Künstler mit einem Schmink-Pinsel in der Hand. Es geht darum, die Grenzen zwischen dem Maskulinen und dem Femininen zu verwischen. Männliche und weibliche Schönheit bilden eine Einheit. Auch wenn diese Jungs immer wieder schiefe Blicke auf der Straße ernten werden, wird es wahrscheinlich immer gängiger werden, dass sich auch Männer für Make-up interessieren.

In Deutschland ist der Make-up-Trend noch nicht ganz so weit fortgeschritten, wie in den USA. Wenn man hier von Männer-Make-up hört, denken viele nur an Harald Glööckler. Amerika ist Deutschland hinsichtlich dieses Trends weit voraus. James Charles ist mittlerweile so erfolgreich mit seinem YouTube-Channel, dass er sein eigenes Merchandise verkauft. „Sisters Apparel“ heißt seine Mode-Linie. Mädchen, die zuvor dünne Models anhimmelten, himmeln nun James an. Und wenn das, als positive Veränderung nicht genügt, dann wenigstens der Fakt, dass es diesen Jungs egal ist, was andere denken. Sie können sich ausleben und ihre Charakterzüge bunt unterstreichen.

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