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Tierheime in Not
Rubrik

Haustiere Tierheime in Not

- 11.09.2023 - 17:00 Uhr

Die Situation ist besorgniserregend. Aus vielen Bundesländern kommen ähnliche Warnungen der Tierheime: Überlastung des Personals, finanzielle Mittel erschöpft, keine freien Plätze mehr vorhanden. Was ist da los? Die allgemeine Kostenentwicklung spielt eine Rolle. Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist nicht unwesentlich. Dann haben die Tierärzte ihre Preise erhöht. Futter ist ebenfalls teurer geworden.

Problem liegt tiefer

Die Lage bei den Tierheimen ist mehr als nur ein Abbild der gegenwärtigen Schwierigkeiten, mit denen wir alle zu kämpfen haben. Jedes Jahr werden vor den Sommerferien reihenweise Haustiere ausgesetzt, weil man nicht weiß, wohin damit, oder die Kosten für eine anständige Unterbringung scheut. Das Tier den Urlaub mitzunehmen, das scheitert unter Umständen an Einschränkungen bei der Unterkunft oder bei Einreisebestimmungen, die mit Quarantäne und Impfvorschriften zusammenhängen. Dann werden immer wieder die Haustierbestände von Tierhortern durch die Behörden ausgehoben und an Tierheime zur Pflege weitergegeben, die damit auf Dauer überfordert sind. Tierhorter sind Menschen, die aus psychosozialen Gründen oder aufgrund von Persönlichkeitsstörungen massenweise Tiere sammeln und meist keine ausreichende Versorgung bei den Grundbedürfnissen leisten können oder wollen. Dies ist kein kleines Problem. Und auch ein Indiz für die zunehmende Vereinsamung in der modernen Gesellschaft. Statt bei ihren Mitmenschen suchen Tierhorter vermeintliche Nähe und Geborgenheit in ihrer eigenen „Arche Noah“, wo die Tiere entsprechend leiden müssen. In Fachkreisen wird geschätzt, dass die Anzahl der Haustiere, die auf diese Weise gehalten werden, in die Zehntausende allein in Deutschland geht.

Corona und die Folgen

Aber nicht nur gestörte Existenzen sorgen für das Elend der Haustiere, welches sich im jetzigen Alltag von Tierheimen zeigt. Sondern auch normale Menschen, die während der Pandemie im Home-Office tätig waren und nach Lockdown und Kontaktbeschränkungen wieder ihrem Job auswärts nachgehen, müssen insgesamt ihren Lifestyle überdenken. Viele haben sich während der Pandemie ein Pet zugelegt, weil Gassi gehen und Fütterung tagsüber kein Problem dargestellt hat. Jetzt sieht die Sache jedoch anders aus: Das Haustier, welches zuvor ein willkommener Partner war, ist mittlerweile vielleicht zum Problem geworden. Nächste Station: das bereits überfüllte Tierheim. Zuweilen ergeben sich regelrechte Horrorszenarien: Hunde werden einfach über den Zaum vom Tierheim geschmissen, Tierhalter drohen mit Tötung des Tieres bei Zurückweisung des Ansinnens auf Übernahme. Wer kann einspringen bei dieser Notlage? Es wird über neue Finanzierung nachgedacht. Soll die Länder, Kommunen oder Städte einspringen? Kann eine neue Steuer helfen? Reduzierte Gebührensätze bei den Veterinären für Tierheime? Die Verantwortlichen fordern gesetzliche Regelungen bei der Anschaffung von Tieren. Der Hundeführerschein ist sicher ein geeignetes Instrument, um später böse Überraschungen bei der Haltung zu vermeiden. Dann der schwunghafte Welpenhandel: Manche Hunderassen sind gerade in Mode, aber schon ein halbes Jahr später nicht mehr Up to date. Dabei vergessen viele Tierbesitzer, dass es sich eben nicht um einen Mode-Artikel handelt, mit dem man bei Insta Punkte sammeln kann.

Lösungsansätze für die Misere

In manchen europäischen Ländern geht man teilweise sehr drastische Wege, um die Notlage zu bewältigen: Hundefänger sind auf den Straßen unterwegs, die Tiere werden anschließend zu Tode gebracht. In diesen Ländern sind auch Tierrettungsvereine aus Deutschland unterwegs, um dies zu verhindern. Damit landen die geretteten Tiere bei uns in überfüllten Tierheimen. Also ist dies eine Verlagerung des Problems. Der verpflichtende Sachkundenachweis deutschlandweit könnte zumindest auf nationaler Ebene einige Probleme lindern. Diese Prüfung sollte abgelegt werden, bevor man sich ein Tier anschaffen darf. Dabei werden Fragen zur Haltung, Ernährung, Gesundheit und Pflege behandelt. Dann geht es auch um den Handel mit lebenden Tieren im Internet. Da möchten manche einen Riegel vorschieben. Problem dabei: Die rechtlichen Bedingungen sind schon innerhalb Europas nicht einheitlich. Wer im Ausland außerhalb Europas Haustiere bestellt, kann praktisch ohne Beschränkungen tätig werden. Da werden nicht nur Hunde und Katzen verkauft, sondern vor allem exotische Tiere, wie Reptilien, Amphibien und Insekten, die teilweise auf abenteuerlichen Wegen zu uns gelangen. Etwa mit der Post in Puppen eingenäht oder in viel zu kleinen Behältern. Darunter leiden die Tiere immens, wenn sie es denn überhaupt überleben.

So sind die Vorstöße mancher Politiker auch zu verstehen, die für ein generelles Verbot der privaten Haltung von exotischen Tierarten plädieren. Diese Tiere gehören bestenfalls in den Zoo, wo sie wenigstens vernünftig und artgerecht versorgt werden können, so die Meinung dieser Politiker. Solche Ideen haben allerdings schon großen Widerstand in der Bevölkerung hervorgerufen: Dies gilt für manche als ungerechte Bevormundung durch den Staat. Wie dem auch sei, es besteht dringender Handlungsbedarf.

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