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Blutspende in den USA
Rubrik

Blutspende in den USA Erste wichtige Schritte hin zu weniger Diskriminierung von schwulen Männern

ms - 27.01.2023 - 10:00 Uhr

Eine kleine Sensation in den USA – nach langem Zögern will sich nach Informationen der Washington Post die US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel, die Food and Drug Administration (FDA), dazu durchringen, die Richtlinien für die Blutspende von schwulen Männern zu ändern. Zwar macht die Behörde offensichtlich nur einen ersten kleinen Schritt in Richtung Gleichberechtigung, doch wäre die Neuregelung für die Vereinigten Staaten von Amerika durchaus bemerkenswert, denn seit Jahren wird oftmals jenseits der Fakten medial laut darüber gestritten, wie “gefährlich“ es sei, homosexuelle Männer eine zeitnahe Blutspende zu ermöglichen.

Zeitenwende im Umgang mit schwulen Männern

Ein Regierungsvertreter bestätigte nun anonym der Washington Post, dass die FDA die Änderungen vorantreibt. Die neuen Regeln sollen nach einer öffentlichen Kommentierungsphase in Kraft treten, wahrscheinlich bereits Ende dieses Jahres oder Anfang 2024. In Anlehnung an die derzeitige Politik in Kanada und Großbritannien will die FDA bei der Entscheidung, wer Blut spenden darf, mehr auf das Verhalten als auf die sexuelle Orientierung eines Spenders achten. Nach den derzeitigen FDA-Richtlinien müssen Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), drei Monate lang ganz auf schwulen Sex verzichten, um Blut spenden zu können – ein sehr unrealistisches Szenario.

Oralverkehr vs. Analverkehr

Nach den neuen Vorschriften können dann auch Männer mit einem regelmäßigen männlichen Sexualpartner Blut spenden, sofern sie in den letzten drei Monaten keine weiteren Analsexpartner hatten. Die neuen Regeln stellen einen deutlichen Unterschied zur derzeitigen Politik dar, und das sowohl in Bezug auf die Ermutigung von schwulen Männern in monogamen Beziehungen, Blut zu spenden, als auch in Bezug darauf, dass Männer, die in den letzten 90 Tagen Oralverkehr mit anderen Männern hatten, Blut spenden dürfen. "Wir müssen die Menschen konkreter identifizieren, bei denen ein hohes Risiko besteht, und nur jene mit hohem Risiko von der Blutspende abhalten. Bis jetzt war es sehr stigmatisierend, da wir uns nur mit den Risikofaktoren von Männern, die Sex mit Männern haben, beschäftigt haben“, so Bruce Walker, Direktor des Ragon Institute des Massachusetts General Hospital (MIT / Harvard).

Eine leidvolle Geschichte

Die leidvolle Geschichte der Politik, wie mit schwulen Männern diesbezüglich in Amerika umgegangen wird, reicht bis zum Beginn der HIV-Epidemie in den 1980er Jahren zurück. Im Jahr 1985 verhängte die FDA ein lebenslanges Blutspendeverbot für schwule und bisexuelle Männer. Erst im Jahr 2015 wurde dieses Verbot aufgrund der Fortschritte bei Tests und Behandlungsmöglichkeiten von HIV dahingehend geändert, dass vor einer Spende zwölf Monate Zölibat erforderlich sind. Im Jahr 2020 wurde die Richtlinie aufgrund von Blutknappheit zu Beginn der COVID-19-Pandemie abermals geändert in die derzeitig gültige, dreimonatige Enthaltsamkeit. Auch diese Richtlinie empfinden die meisten schwulen Männer in den USA bis heute als pauschalisierend, diskriminierend und stark stigmatisierend.

Deutschland will Diskriminierung ganz abschaffen

Sehr ähnliche Debatten gab es in den letzten Jahren auch in Deutschland, hier existieren ähnliche Vorgaben wie in den USA – nur jene schwulen Männer, die maximal einen festen Sexualpartner in einer monogamen Beziehung haben, dürfen nach vier Monaten eine Blutspende abgeben. Überraschend verkündete zu Beginn des Monates Gesundheitsminister Karl Lauterbach nun allerdings, dass die Bundesärztekammer bis spätestens Sommer dieses Jahres neue Richtlinien ausarbeiten muss, die sich rein auf das persönliche sexuelle Risikoverhalten eines Menschen konzentrieren, abseits der sexuellen Orientierung. Weigert sich die Bundesärztekammer wie bisher oftmals angedeutet, wird ihr die Aufgabe entzogen und vom Paul-Ehrlich-Institut im Einvernehmen mit dem Robert Koch-Institut (RKI) ausgearbeitet.

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