Direkt zum Inhalt
Rätsel um schwulen JU-Chef
Rubrik

Rätsel um schwulen JU-Chef War der Chef der Berliner Jungen Union jahrelang ein AfD-Mitglied?

ms - 12.04.2024 - 12:00 Uhr

War der schwule Berliner Chef der Jungen Union früher ein Mitglied der AfD? Diese Frage macht seit dieser Woche in Berlin die Runde. Der Betroffene selbst, Harald Burkhart, bestreitet die Vorwürfe, ist nun offenbar aber zumindest vorübergehend von seinen politischen Aufgaben zurückgetreten und hat diese kommissarisch an seine Stellvertreterin Gjelsime Jonuzi übergeben, wie die JU Berlin jetzt erklärte.

Amtsgeschäfte vorübergehend übergeben

„Gemeinsam mit dem Landesgeschäftsführer Benjamin Agha wird Gjelsime die Arbeit unserer Jungen Union Berlin nach vorne bringen“, erklärte die JU-Berlin online. Burkart habe seine Amtsgeschäfte dabei wohl bereits am 3. April übertragen. Nach einer „vorübergehenden“ Sachlage klingt dies allerdings eher weniger. Das Rätsel über seine mögliche Verbindung zur AfD bleibt indes weiterhin bestehen. 

Offen Fragen zur Mitgliedschaft

Die taz hatte als erstes Medium in dieser Woche über eine mögliche frühere Mitgliedschaft des Berliner JU-Chefs in der AfD berichtet. Drei Jahre lang soll er demnach Mitglied der Partei gewesen sein. Die AfD selbst macht dazu unterschiedliche Angaben. Der Sprecher des AfD-Kreisverbands Baden-Baden/Rastatt, Joachim Kuhs, bestätigte die Mitgliedschaft, ein Pressereferent der AfD-Bundespartei erklärt indes gegenüber dem Spiegel, es hätte nie eine Mitgliedschaft gegeben.  

Nach Recherche der BILD-Zeitung war ein Mann dieses Namens von 2014 bis 2018 im AfD-Kreisverband Baden-Baden/Rastatt in Baden-Württemberg geführt. Das dort verzeichnete Geburtsdatum sei auch deckungsgleich mit dem von Burkart. Allerdings wurde der Aufnahmeantrag online gestellt, es könnte sich also auch um eine bewusst platzierte Aktion gehandelt haben, um dem Berliner JU-Chef zu schaden. Burkhart selbst bestreitet seine Mitgliedschaft bei der AfD. 

Karriere als „Hantel-Harry“

Burkhart machte in der Jungen Union schnell Karriere. Mit 14 war er zunächst für zwei Jahre Mitglied bei den Jusos (SPD), später wechselte er zur JU. Der junge Politiker kommt aus dem Arbeiter-Milieu und wuchs mit einer alleinerziehenden Mutter auf, so der Tagesspiegel. Schlagzeilen machte der 28-Jährige auch als „fittester Politiker Deutschlands“, weil er sich auf den sozialen Medien gerne oben ohne präsentierte und seine Leidenschaft für Kraftsport zeigte. Die BILD betitelte ihn deswegen auch als „Hantel-Harry“. Burkhart ist auch der erste offen homosexuelle Chef der Jungen Union in Berlin.   

Auch Interessant

Historische Mitschuld

Der §175 und die katholische Kirche

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken forderte jetzt die Aufarbeitung der Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen durch die Kirche.
Schwulenfeindliche Parolen?

Was sagt die Ahmadiyya-Gemeinschaft?

Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinschaft sorgt seit Tagen für Schlagzeilen. Jetzt verstören auch zudem Aussagen zur Homosexualität durch den Kalifen.
Gewalteskalation in Hamburg

Anstieg um 75 Prozent in einem Jahr

Hamburg, meine Perle? Nicht unbedingt! Die Hansestadt liegt noch über dem deutschlandweiten Trend beim Anstieg von Hassverbrechen gegen LGBTI*!
Schwulenrechte weltweit

Wie ist die Lage aktuell?

Wie steht´s um die Schwulenrechte weltweit? Grund zur Freude besteht laut der ILGA World nicht: In 62 Ländern wird Homosexualität weiter kriminalisiert
Millionenstrafe für Hass

Klare Kante gegen Grooming-Vorwürfe

Fast 1,2 Millionen Schadensersatz muss eine US-Influencerin jetzt zahlen, weil sie einen schwulen Drag-Darsteller des Groomings bezichtete.
Schwuler Politikstar in Afrika

Ein Schwuler als Hoffnungsträger

Eine Rarität in Südafrika: Christopher Pappas ist schwul, weiß und Bürgermeister in der KwaZulu-Natal-Provinz - und Hoffnungsträger seiner Partei.
Würdigung für Ulrich Matthes

Angela Merkel hält Laudatio

Die Adenauer-Stiftung ehrte jetzt den schwulen Schauspieler Ulrich Matthes. Die Laudatio hielt Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Voting für LGBTI*

Wer unterstützt LGBTI* in der EU?

Rund 900 Kandidaten für die EU-Wahl sprechen sich inzwischen in Europa klar für LGBTI*-Rechte aus - doch wer kommt am Ende wirklich ins Parlament?