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Nico Alesi // © vvg

Im Interview Nico Alesi

vvg - 11.05.2024 - 14:00 Uhr

ist Sänger, Songwriter und Musical-Darsteller. Er liebt Theater, Tanz und Takt – wobei Takt für Musik und insbesondere für Schlager steht. Kein Wunder, dass er an der Freiburger Musical- und Schauspielschule landete, wo er die Fächer Jazz, Ballett, Musical und Steppen belegte.

Während des Studiums warst du zum einen musikalisch mit Bo Katzmann - Schweizer Sänger und Leiter eines Gospelchors - sowie mit Howard Carpendale unterwegs...

Das mit Howie war eine einmalige Sache: Er suchte für „Ti amo" einen Chor und ich war damals Teil des Chores von Bo, bei dem ich viel lernen konnte. Ich wurde ausgewählt und hatte das Glück, den Hit mitsingen zu dürfen.

Zum anderen warst du mit Bo Katzmans Tochter Ronja Borer Teil eines Comedy-Musical-Duos, das sogar mit dem kleinen „Prix Walo“ ausgezeichnet wurde.

Wir hatten echt einen guten Start, haben den „Kleinen Prix Walo" gewonnen und durften beim „Großen Prix Walo" auftreten, der Preis ist die größte Auszeichnung im Showbusiness in der Schweiz. Wir hatten beide an der Freiburger Musicalschule studiert, funktionierten gut miteinander und wurden gefeiert, aber es war leider nur eine kurzlebige Zusammenarbeit.

2014 kam dein selbstgeschriebener und komponierter Song „Superstar“ heraus; hast du von DSDS geträumt?

Nicht von DSDS; ich hatte an einem anderen Casting teilgenommen, wo Lucy Diakovska und Ross Antony in der Jury saßen. Ich bekam auch gute Kritiken, mir fehlte aber letztendlich lediglich nur ein Punkt zum Weiterkommen.

Lucy und Ross waren Sieger im Dschungelcamp, wäre der Dschungel auch was für dich?

Absolut, obwohl ich gar kein Schlangen- und Insektenfan bin. Also wenn da etwas Lebendiges in meinen Mund müsste, ich würde es zwar versuchen, aber auch nur schreien, so wie es Ross damals tat. Ich möchte super gerne in den Dschungel und bin überzeugt, die Zuschauer hätten mit mir einen Riesenspaß.
 

Nico Alesi // © vvg

Und was wäre mit „Let‘s Dance“? Und was hältst du von Männerpaaren bei Tanzshows? Man denke an Alfons Haider, Vadim Garbuzov, Nicolas Puschmann, Michael Buchinger und Herbert Stanonik? Wärst du dabei?

Auch das wäre großartig; ich hätte ebenso kein Problem, mit einem Mann zu tanzen. Das wäre sogar eine extra Challenge für mich, denn ich müsste ja sowohl lernen zu führen, als auch geführt zu werden. Ich stelle mich gerne neuen Herausforderungen. Als Omi Fichtelhuber im Bikini-Skandal musste ich auch erst einmal schwäbisch „babbeln“ lernen.

In „Happy Landing“ spielst du den Multimillionär August J. Forster - was würdest du mit so viel Knete tun?

Ich würde meiner Mama und meinem Stief-Papa ein Häuschen bauen, weil sie mich ihr ganzes Leben unterstützt und aufgefangen haben. Es wäre eine gute Gelegenheit, ihnen zu danken. Meine Mutter hat drei Kinder großgezogen, ihr ganzes Leben gearbeitet und es nicht immer einfach gehabt, uns ein anständiges Leben zu bieten. Ich würde ihr gerne etwas zurückgeben. Für mich selbst würde ich gerne ein eigenes, kleines Theater eröffnen und auf jeden Fall weiterhin an meiner Musik arbeiten.

Was meinst du denn mit „unterstützt und aufgefangen“?

Na das Übliche: Als angehender Schwuler, der in einer sizilianischen Familie aufwächst, ist das nicht einfach. Ich bin in einem kleinen Dorf am Schwarzwald aufgewachsen und war mit 14 Jahren der einzige Junge, der davon träumte, auf der Bühne zu stehen und zu singen. Das wurde von den anderen Dorfbewohnern immer belächelt und es gab keine Dorffeste, auf denen ich nicht angepöbelt wurde. Man hat mich sogar mit Flaschen beworfen. Aber meine Mama stand stets hinter mir, hat mir den Rücken gestärkt und sagte mir immer: „Junge, du bist so in Ordnung, wie du bist!“

Wann hast du dich geoutet?

Ich habe das sehr lange mit mir herumgeschleppt. Ganz offiziell habe ich mich erst vor fünf Jahren geoutet. Gewusst habe ich es natürlich schon viel früher, habe es aber immer für mich behalten. Ich war zwar nie der feminine Typ, wurde aber trotzdem als Schwuchtel und mit den üblichen schlimmen Ausdrücken bezeichnet. Nur weil ich andere Interessen hatte als gleichaltrige Jungs. Das war hart, aber meine Familie hat mich immer aufgefangen.

Du liebst schon immer Schlager, wie überzeugst du Leute, die Schlager verurteilen?

Muss man wirklich jeden überzeugen? Ich sage denjenigen, sie sollen einfach mal in meine Show kommen. Danach höre ich oft: „Ich bin zwar kein Schlagerfan, aber das, was du machst, hat mir gefallen.“ Und wenn es danach trotzdem nicht gefällt, ist das auch in Ordnung.

Du hattest Engagements zu Lande und zu Wasser.          

Ich durfte drei Jahre lang samstags und sonntags im Europapark Rust auftreten, was eine gute Chance war, Erfahrungen zu sammeln. Ich arbeitete damals auch noch als Krankenpfleger und habe damit und mit den Auftritten mein Studium an der Musicalschule finanzieren können. Das war eine anstrengende und krasse Zeit.

Und ich war sechs Monate mit dem Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 3“ unterwegs in Norwegen, Island, Irland und den Kanaren. In dieser Zeit habe ich mich übrigens geoutet, weil ich auf dem Schiff meinen Exfreund kennen gelernt hatte, in den ich total verliebt war.

Was wäre für dich „A Place to go“: „Lanzarote bei Nacht“ oder „Sizilianische Nächte“?

Natürlich die sizilianischen Nächte. Meine Eltern sind Sizilianer und ich habe immer noch Familie dort, bei denen ich gerade den letzten Sommer verbracht habe. Sizilien ist und bleibt von meinem Denken und Handeln meine Heimat, obwohl ich in Germany geboren bin.

Möchtest du heute noch einmal „Wieder 16 sein“?

In dem Song habe ich meine Jugendliebe verarbeitet. Ich hatte mich mit 16 in einen Jungen verliebt. Ich wusste nicht, wohin mit mir und was da passierte; ich hatte den nur unheimlich gerne. Ich wusste, das war gegen die Norm, aber es fühlte sich so gut an. Ich konnte nur mit niemandem darüber reden, verheimlichte meine Gefühle aus Angst, ihn und andere zu enttäuschen. Für mich war das etwas sehr Spezielles und ich wollte zurück und dieses tolle Gefühl noch einmal erleben. Ich habe ihn letztes Jahr aufgesucht und wir konnten frei darüber reden. Er ist immer noch mit seiner damaligen Freundin zusammen.

Die Frage nach deinem heutigen Beziehungsstatus umschiffe ich mit deinem Schlager: Wer stand zuletzt „Nur einen Kuss entfernt“ von dir?

Niemand mit echtem Interesse, leider. Ich bin seit zwei Jahren Single; möchte aber meine Happyness nicht von einer anderen Person abhängig machen. Aber es gibt Momente, wo ich mich danach sehne, zu Reden oder zu Kuscheln – einfach nach jemandem, der für mich da ist. Ich wäre schon ready für jemanden, aber nur für etwas Ernsthaftes.
 

Nico Alesi // © vvg

Für die Rolle der Omi Fichtelhuber steigst du in Frauenkleider - wie kommt man(n) an so eine Rolle?

Ich hatte schon für Jochen Frank Schmidt, der für „Bikini Skandal“ Text und Musik gemacht hat, in „Tommy Tailors Traumfabrik“ mitgespielt. Da war ich das Schweinhorn Herb, ein Wesen, das halb Schwein und halb Einhorn ist: übrigens auch eine Herausforderung. Als Jochen „Bikini Skandal“ neu inszenierten wollte, fragte er mich, ob ich Lust hätte, die Omi Fichtelhuber zu spielen. Ich habe mir daraufhin die DVD angesehen und mich entschieden, diese Rolle zu übernehmen. Es ist Luxus, wenn man als Künstler Angebote bekommt, ohne sich einem Casting zu stellen. Das zeugt doch davon, dass man nicht ganz unbegabt ist.

Wie hast du dich darauf vorbereitet, war Omi Role-Model?

Es gibt tatsächlich ein paar Punkte, die ich von meiner sizilianischen Oma übernommen habe: Wenn sie das Gefühl hat, dass man sie nicht ernst nimmt, kann sie sehr robust werden. Das wirkt dann urkomisch, was ich sehr an ihr liebe. Und als Krankenpfleger hatte ich auch viele weitere Möglichkeiten, alte Damen in ihrem Handeln und ihren Bewegungen zu studieren.

Hast du auch eine feminine Seite?

Ich bin ein sehr ehrlicher, sensibler, gefühlvoller, empathischer und sehr verletzlicher Mensch. Und wenn mich etwas sehr berührt, kann ich auch schnell weinen. Wenn das feminin ist, dann habe ich auch diese Seite.

Wie bist du: Rampensau oder Robinson - empfindsam oder empfindlich?

Ich bin eine absolute Rampensau! Und sehr empfindsam; aber je nach Tagesform auch sehr empfindlich.

Du hast viele Talente, was kannst du denn gar nicht? 

Ich bin absolut kein Handwerker, darauf habe ich weder Bock noch Interesse. Ich lasse lieber machen und mache dafür lieber Kaffee oder Brötchen.

Und was würdest du nie machen?

Ich bin kein Freund von Gewalt. Und ich würde auch nicht nackt auftreten. Ich zeige lieber was ich kann und nicht meinen nackten Körper.

Welche Wünsche stehen noch auf deiner Bucketlist? 

Ich würde gerne mal beim Cologne Pride auf der Bühne stehen. Und einmal die Rolle des Frank N. Furter in der „Rocky Horror Picture Show“ übernehmen, auch in Strapsen. Urlaub gerne mal auf den Maledivenmachen und irgendwann der Mama ein Haus bauen. Nicht selber natürlich, ihr wisst ja: Handwerkern ist nicht mein Ding.

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