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WM-Botschafter David Beckham über Kritik an seiner Position
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Worte zur WM in Katar WM-Botschafter David Beckham über Kritik an seiner Position

co - 20.12.2022 - 18:32 Uhr

Der englische Fußball-Star David Beckham unterschrieb letztes Jahr einen millionenschweren Vertrag mit Katar – er soll in der nächsten Dekade das Image des Staates aufpolieren (SCHWULISSIMO berichtete) und als Botschafter den Tourismus und die Kultur fördern. Insbesondere verpflichtete Beckham sich mit dem Vertrag dazu, das Gesicht der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 zu werden. Für den Deal erntete Beckham von vielen Seiten Kritik, da das Land für seine LGBTI*-feindliche und menschenrechtsverachtende Haltung bekannt ist.

Erster Werbespot für Katar-Reisen

Im September erschien Beckhams erstes Werbevideo für Katar mit dem Titel „David Beckham’s Qatar Stopover“ (SCHWULISSIMO berichtete). Im Video schwärmte der Sportler: „Es ist ein weiterer schöner Tag hier in Katar. Das wird als einer meiner Lieblingsmorgen in die Geschichte eingehen. Die Menschen in Katar sind sehr stolz auf ihre Kultur, die Verbindung von Moderne und Tradition zu etwas ganz Besonderem.“ Er könne es kaum erwarten, seine Kinder an diesen „unglaublichen Ort“ zu bringen. Auch für den Werbespot gab es reichlich Kritik. Ein Twitter-Kommentar bemängelte beispielsweise: „Bei einem Ort, wo es illegal ist, homosexuell zu sein, und wo Frauen von Männern beaufsichtigt werden müssen, bin ich mir wirklich nicht sicher, ob ich ihn perfekt nennen würde. Oh, und das ist, bevor wir über die Tausenden von Sklaven sprechen, die beim Bau der FIFA-Stadien gestorben sind.“

Kritik an Botschafter-Rolle

Zu den prominenteren Kritikern gehörte beispielsweise der LGBTI*-Aktivist Peter Tatchell. Er erklärte: Beckham habe „unseren Kampf für Gleichberechtigung unterstützt, als viele andere es nicht taten“. Mit diesem Deal scheine er nun jedoch „einen lukrativen Deal über die Menschenrechte zu stellen“. 

Ein anderer bekannter Kritiker von Beckhams Entscheidung ist laut Out der britische Komiker Joe Lycett: „Du bist der erste Erstliga-Fußballer, der Fotoshootings mit Schwulenmagazinen wie Attitude machte und offen über seine schwulen Fans sprach. Jetzt schreiben wir das Jahr 2022. Und du hast einen 10-Millionen-Pfund-Deal mit Katar unterzeichnet, um während der FIFA-Weltmeisterschaft Botschafter zu sein.“ Lycett rief den Ex-Fußballer dazu auf, von dieser Position zurückzutreten. Sollte Beckham nicht darauf antworten, wolle er 10.000 Pfund (ca. 11.420 Euro) schreddern. Zur Eröffnung der WM am 20. November veröffentlichte der Komiker dann tatsächlich ein Video seiner Schredder-Aktion – gab aber nachher zu, kein echtes Geld geschreddert zu haben. Den Betrag habe er stattdessen an LGBTI*-Organisationen gespendet.

Was Beckham zu seiner Rolle sagt

Beckham war tatsächlich von Anfang an für eine WM in Katar: „Das ist es, worum es bei der Weltmeisterschaft geht – Ländern eine Chance zu geben, den größten Wettbewerb im Fußball auszurichten.“ WM-Gastgeber zu sein verändere die Wirtschaft und das Leben der Menschen vor Ort (SCHWULISSIMO berichtete). Schon letztes Jahr erklärte er, dass er fest den Fußball an eine Macht des Guten glaube – dass „Katars Engagement für den Fortschritt“ und die Weltmeisterschaft „bedeutende positive Veränderungen bewirken“ könne. Etwas genauer erklärt diesen Gedankengang ein neues Statement von Beckhams PR-Vertretung, das am Freitag bei CNN einging:

„Wir verstehen, dass es unterschiedliche und starke Ansichten über das Engagement im Nahen Osten gibt, sehen es aber als positiv an, dass die Debatte über die Schlüsselthemen direkt durch die erste Weltmeisterschaft in der Region angeregt wurde. Wir hoffen, dass diese Gespräche zu mehr Verständnis und Empathie gegenüber allen Menschen führen und dass dadurch Fortschritte erzielt werden. David Beckham […] war immer der Meinung, dass der Sport eine Kraft für das Gute in der Welt sein kann. Fußball, die weltweit beliebteste Sportart, hat die Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen und einen echten Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten.“

Viele LGBTI*-Fans blieben fern

Ein Bericht der Human Rights Watch vom Oktober dokumentierte, dass die katarischen Sicherheitskräfte noch im September willkürlich LGBTI*-Personen festnahmen und diese während der Haft vielfach körperlicher Gewalt und sexueller Belästigung aussetzten. Beispielsweise habe man trans* Frauen zu einer Konversionstherapie in einem von der Regierung aufgebauten Zentrum für „Verhaltensmedizin“ gezwungen. WM-Gastgeber Katar dementierte die Aussagen als „kategorisch und unmissverständlich falsch“.

Trotzdem blieben viele queere Fans der WM fern. So zum Beispiel Dario Minden, der bei einem DFB-Kongress zur Lage in Katar als Vertreter des Frankfurter Fanvereins Unsere Kurve e.V. dem anwesenden katarischen Botschafter in Deutschland klar machte, dass Fußball für alle ist (SCHWULISSIMO berichtete). Obwohl ihm der Botschafter nach der Konferenz persönlich versicherte, dass alle Menschen in Katar willkommen seien, erklärte Minden gegenüber CNN: „Es ist nicht sicher und es ist nicht richtig.“ Er wollte die WM nicht einmal im Fernsehen verfolgen. Denn es ginge nicht nur um die Rechte der queeren Touristen, sondern auch für um die LGBTI*-Rechtssituation vor und vor allem nach der WM.

Auch der Engländer Rob Sanderson vom Fan-Netzwerk Pride in Football fühlte sich nicht wohl dabei, nach Katar zu reisen, weil er deutlich als LGBTI*-Fan sichtbar sei. Denn damit würde er eine Zielscheibe auf den Rücken eines Einheimischen malen: „Ich fühle mich nicht wohl dabei, als Vorwand für Anfeindungen zu dienen, die nach dem Turnier auftreten könnten. Das passt nicht zu mir.“

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